Craniosakrale Osteopathie - Mehr als nur "Handauflegen"

" Die Craniosakrale Therapie ist ein eigenständiger Teilbereich der Osteopathie. "


Cranio = Schädel, Sacrum = Kreuzbein. Eine sanfte und schonende osteopathische Behandlung vom Schädel bis hin zum Kreuzbein.

In der craniosakralen Therapie wird mit nur sehr wenig Druck und nicht mit ausladenden Bewegungen gearbeitet, die Ergebnisse sind aber phänomenal. Für Aussenstehende sieht es so aus, als ob der Therapeut NUR die Hände auflegt. Tatsache ist, das erfahrene ausgebildete Therapeuten sozusagen mit den Händen sehen können. Feinste Veränderungen in den Strukturen werden mit den Händen aufgespürt und betroffene Strukturen können mit sanftem Druck oder Gleiten der Hände behandeln und das System wieder ins Lot bringen.

Grundlage der craniosakralen Osteopathie ist die Erkenntnis, dass die Schädelnähte durch Membranen beweglich miteinander verbunden sind. Eine eingeschränkte Beweglichkeit – beispielsweise durch ein festes Stirnband – führt schließlich zu Kopfschmerzen.

Die Craniosakrale Therapie beeinflußt sozusagen die Spannungsverhältnisse im Schädel, im Kreuzbein, den Rückenmarksschlauch im Wirbelkanal der Wirbelsäule (durch den der Liquor = Hirnwasser/Hirnflüssigkeit fliesst), das Nervensystem und somit auch maßgeblich z.B. den Gleichgewichtssinn. Beim Craniosakralen System handelt es sich um ein halbgeschlossenes System, bei dem der Kopf und der Wirbelsäulenkanal bis hin zum Kreuzbein also eine Funktionseinheit bilden. Der Liquor (Hirnwasser) fliesst im Wirbelkanal wellenförmig, in einem bestimmten Rhythmus (beim Pferd ca. 10-12x pro Minute, beim Menschen ca. 6-10x pro Minute.

Gerät diese Wellen-Schwingung beispielsweise durch einen Unfall, eine Entzündung oder andere Ereignisse wie Blockaden (durch im Halfter aufhängen, etc.) aus dem Gleichgewicht kann es zu Einschränkungen in der Beweglichkeit kommen. So kann ein Becken-Schiefstand z.B. seine Ursache in einer Störung des craniosakralen Systems haben.

 

Auch psychische Belastungen des Tieres sind nicht zu unterschätzen! Sie können eine Störung des Systems hervorrufen (Stallwechsel, Besitzerwechsel, Rangordnung, Schlafmangel, Stress/Angst, Schmerzen …) Ein gestörter Craniosakral-Rhythmus kann sich sogar auf innere Organe auswirken, so dass es zu Verdauungsproblemen/Koliken, Durchfall, Atemwegsprobleme, Augen tränen, Nasenausfluss etc. kommen kann. 


Ziel der Therapie ist, die Craniosakral-Welle wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und somit die Eigenregulation und die Selbstheilungskräfte zu fördern.

 

Behandlung der Faszien im Rahmen der Therapie


In der craniosakralen Therapie werden auch die faszialen Strukturen beeinflusst. Der gesamte Körper ist mit Faszien durchzogen. Dies sind bindegewebige Umhüllungen von Muskeln, Nerven, Sehnen und Organen. Sie haben die Aufgabe des Schutzes der jeweiligen Struktur, aber auch das Sicherstellen der Abgrenzung und Gleitfähigkeit gegenüber der Nachbarstruktur. Nicht selten verkleben jedoch die Faszien miteinander – oft durch ein Trauma oder aber auch durch Immobilisation einer Struktur -, so dass das freie Gleiten der Strukturen nicht mehr gewährleistet ist. Auch nach Ausheilen einer Verletzung bleibt die Verklebung bestehen. Es werden deshalb bestimmte Techniken, einerseits aus der manuellen Therapie, andererseits aus der craniosakralen Therapie, eingesetzt, um die Faszien zu lösen.


Nur wenige Gramm Druck reichen aus, um die querverlaufenden Faszien zu lösen. Man spricht von sogenannten Diaphragmen, zu denen in erster Linie das Zwerchfell zählt, aber auch die Thorax-Apertur (zervikothorakales Diaphragma), das Diaphragma des Zungenbeins, der Schädelbasis und des Beckens.


Wann ist eine craniosakrale Behandlung sinnvoll?

Eine Craniosakral Therapie kann eine unterstützende Behandlung zusätzlich zur tierärztlicher Behandlung (Ausschluss akuter Erkrankungen, etc.) darstellen. Sie kann ebenso Präventiv und erhaltend eingesetzt werden.

Hier kann die craniosakrale Therapie Linderung verschaffen:

• Unklare Probleme im Bewegungsapparat
• Blockierungen
• Post OP
• Unklare Verhaltensauffälligkeiten/Wesensveränderungen
• Headshaking (bei Pferden)
• Probleme mit dem Magen/Darm Trakt (Kotwasser, Durchfall, Koliken)
• Augen tränen, Nasenausfluss
• Atemwegsprobleme
• Kopfschiefhaltung beim Hund
• Empfindlichkeiten im Kopf/Genick/Nasen/Augen Bereich
• und Vieles mehr

Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass sowohl Pferde, als auch Hunde und Katzen, sehr gut auf diese spezielle Therapie mit ihren gezielten Griffen ansprechen, und diese sichtlich geniessen. Ich nutze in meinen Behandlungen zusätzlich eine Kombination von Griffen der parietalen und faszialen Osteopathie.

Die Craniosakrale Therapie ersetzt keinen Tierarzt und nicht die anderen manuellen Behandlungstechniken der Physiotherapie, Akupunktur oder Massage. Sie ist aber eine ideale Ergänzung dazu. Mittlerweile wurde die Wirksamkeit bestimmter Techniken der craniosakralen Therapie durch Studien belegt. Es wird jedoch kein Heilversprechen gegeben!

​Wie oft sollte behandelt werden?

Die Behandlungsdauer variiert bei jedem Patienten und hängt davon ab, wieviel Veränderung der Patient für diesen Zeitpunkt vertragen kann. Je nach Fall müssen mehrere Behandlungen durchgeführt werden, um den Körper zu heilen. Der gegebene Impuls benötigt häufig eine Zeit, um vom Körper umgesetzt zu werden, somit ist der körperliche Erfolg (zum Beispiel der Wirbel ist wieder an seinem richtigen Platz) zumeist nicht sofort zu sehen, sondern erst später. Die Energien können bis zu drei Wochen arbeiten! Oft fällt aber schon direkt nach der Behandlung eine Veränderung in der Ausstrahlung zum Positiven auf, die körperliche Veränderung tritt dann später ein. Für den Patienten ist dies alles sofort zu spüren, er bemerkt die Energie, die freigesetzt wird und spürt, wie die Heilung einsetzt.

Quellen/Zitate:

• Parietale, fasziale und kraniosakrale Therapie, Sonntag Verlag-Stuttgart, 3. Auflage, Autoren: Brigitte und Walter Salomon

• Renate Ettl